Wo Du gerade sagst: ... innerer Schweinehund ... (Nachtrag)


Veröffentlicht am   02.07.2024 von Kai
(Copyright Dean Hochman)

Die Erkenntnis war wirklich hart: "Ich war in dieser Saison erst einmal auf dem Platz", musste ich vergangene Woche gestehen. Und hab mich dar√ľber selbst erschrocken. Gerade ich, der ich doch bei jeder Gelegenheit davon erz√§hle, wie toll es ist, Golf zu spielen. Die Ruhe, die Natur, die Entspannung. Ich bl√ľhe doch am Abschlag geradezu auf.

Und dann diese Feststellung. Einmal erst in diesem Jahr war ich golfen. Ich habe Gr√ľnde gesucht, Dinge, die mich davon abgehalten haben, zum Platz zu fahren. Und noch mehr solche, die mich davon abhalten w√ľrden, in den Tagen nach dem Schreiben des Textes nun wirklich die Schl√§ger ins Auto zu packen und loszufahren, um eine Runde zu gehen.

Gr√ľnde nur vorgeschoben

Es hat Gr√ľnde gegeben. Ich habe sie alle direkt widerlegt. Sie waren nur vorgeschoben. Was blieb, war der innere Schweinehund. Dieses omin√∂se Vieh, was - abseits aller Vernunft - irgendwie immer das letzte Wort zu haben scheint, wenn es darum geht, was ich gerade anpacken will, ob nun mit M√ľhe oder voller Vorfreude.

Und genau das Stichwort traf es, nachdem ich den Text beendet hatte: Vorfreude. Ich freute mich darauf, einige Tage sp√§ter golfen zu gehen. Ob ich nun alleine gehen w√ľrde oder mit meinem hiesigen Golfpartner, das sollte mir egal sein. Und es fiel mir dieses Geburtstagslied ein, dessen erste Zeile lautet: "Heute kann es regnen, st√ľrmen oder schnei'n...". Genau. Auch dem Wetter w√ľrde ich trotzen, so es sein m√ľsste. Aber die Vorhersage versprach bestes Sommerwetter.

An der Ankerkette

Noch am Abend vor dem "Endlich wieder Golf"-Tag war ich sicher: der Schweinehund liegt an der Kette. Und zwar nicht an einer l√§ppischen Halskette, eine armdicke Ankerkette war es, die ihn im Zaum hielt. Nichts w√ľrde mich davon abhalten k√∂nnen, am n√§chsten Tag √ľber die Fairways zu streifen, den Ball immer fest im Blick.

Mit seligem Lächeln begab ich mich in Morpheus Arme. Der nächste Tag kam. Ich erwachte mit einem einzigen Gedanken: "Heute geht's auf den Platz." Doch Moment. Irgendwas stellte sich dagegen, direkt durchzustarten: Ich musste ins Bad - und das ziemlich schnell, schneller als ich's gewöhnt bin und schneller als es mir lieb war.

Es war nicht schön

Ich gehe jetzt nicht ins Detail, aber es war nicht sch√∂n. Und f√ľhlte sich auch nicht gut an. Und vor allem: es h√∂rte irgendwie nicht auf. Der Bauch wollte sich nicht beruhigen. Ich hab das ab und zu, dass mein Inneres sich quasi querstellt. Ob ich zuvor falsch gegessen hatte oder vielleicht ein Virus im Umlauf war? Keine Ahnung. Aber eines wusste ich sicher: Alle Golfgedanken waren umsonst, das Versprechen mir gegen√ľber, an diesem Tag die Schl√§ger zu schwingen, musste ich brechen.

An diesem Tag w√ľrde ich den Golfplatz nicht zu Gesicht bekommen. Allein die √úberlegung, ob es mir m√∂glich w√§re, das Haus zu verlassen, machte ein ungutes Gef√ľhl. Ich musste das rettende √Ėrtchen in der N√§he haben, musste in der N√§he bleiben. Es half nichts.

Erstens kommt es anders...

Und so bewahrheitete sich das Sprichwort mal wieder: ‚ÄěErstens kommt es anders, zweitens als man denkt.‚Äú Da kann man noch so sch√∂ne Pl√§ne haben, wenn sich die Gesundheit dagegen entscheidet, dann ist das alles obsolet.

Und so musste ich wiedermal feststellen, dass ich nicht einfach meinen Kopf durchsetzen kann, wenn der K√∂rper nicht mitmacht. Und ich stellte fest, dass ich bei aller √úberlegung vorab nat√ľrlich nicht an diesen Fall gedacht hatte: Man geht selbstverst√§ndlich davon aus, dass man gesund bleibt.

Platzrunde bleibt möglich

Nun will ich hier wirklich nicht klagen, denn generell bin ich gesund, altersentsprechende Zipperlein mal nicht ber√ľcksichtigt. Und die Magenverstimmung - oder was es auch war - hat sich auch ziemlich schnell wieder verzogen. Dennoch habe ich erneut gelernt, mich dar√ľber zu freuen, dass es (bislang) nur kleine und zeitweilig Wehwehchen waren, die mich ge√§rgert haben und dann auch wieder verschwunden sind. Und die n√§chste Platzrunde daher generell m√∂glich ist, wenn auch jetzt aus Termingr√ľnden noch nicht geplant.

Dass das noch lange so sein wird und keine dauerhafte k√∂rperliche Plage oder Einschr√§nkung Einzug halten wird, das w√ľnsche ich ‚Äď Ihnen und mir. Alles Gute - und sch√∂nes Spiel.


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