Wo Du gerade sagst: ... innerer Schweinehund ...


Veröffentlicht am   24.06.2024 von Kai

Wer kennt ihn nicht, diesen Drang, einfach mal auf dem Sofa zu bleiben, den Fernseher einzuschalten, sich bedudeln und dabei den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen? Manchmal hat man diese Ruhephasen des Nichtstuns einfach verdient. Nach einer stressigen Arbeitsphase, nach dem letzten Termin eines bis dahin (zu) vollen Terminkalenders. Auch nach einer Reihe privater Veranstaltungen - und waren sie noch so schön - kann es wunderbar sein, einfach mal Seele und Füße baumeln zu lassen, in den Himmel zu starren und den Gedanken freien Lauf zu lassen, kurz: dem inneren Schweinehund nachzugeben.

Jeder kennt diese Situationen, in denen man froh ist, die Knochen einfach mal nicht mehr als notwendig bewegen zu müssen. Oder auch einfach mal Zeit für ein gutes Buch zu haben, das schon länger unaufgeblättert im Regal steht, das aber von vielen als „vorzüglicher Lesestoff“ empfohlen wurde. Nun hat man doch endlich mal Zeit dafür. Wie gesagt: Man hat sich diese Ruhephase in der eigenen Komfortzone einfach verdient.

Verdiente Pausen

Aber, wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist nicht jede dieser Pausen wirklich verdient. Nicht, dass sie das wirklich sein müssten, dennoch sollte man sich manchmal einfach aufraffen. Ich meine nicht den Rasen, der dringend darauf wartet, gemäht zu werden. Oder das Auto, welches mal eine Wäsche vertragen könnte. Ich denke da eher an die angenehmen Dinge des Lebens, für die man dann aber leider die eigenen vier Wände doch verlassen muss. Sie ahnen es: Ich denke an eine Runde Golf.

Doch wie komme ich darauf? Tja, mein Partner bei dieser Golfseite, mein guter Freund, mein Techniker und auch zeitweiliger Golfpartner Mark hat mich heute gefragt, wann ich denn zum letzten Mal auf dem Golfplatz gewesen sei. Wohnte er in der Nähe, so wüsste er es, ich wäre dann mit ihm am Abschlag gewesen. Doch leider trennen uns die meiste Zeit des Jahres rund 500 Kilometer. Und so sei ihm die Frage sicher gestattet. Und die Antwort? „In dieser Saison, also seit Jahresbeginn 2024, war ich tatsächlich erst einmal auf dem Platz“, so musste ich ihm und mir eingestehen.

Gründe nicht stichhaltig

Aber woran liegt’s? Schwärme ich doch bei jeder Gelegenheit, so auch in manchem Text auf kaisgolfguide.de, davon, wie herrlich es ist, unter blauem Himmel dem Ball zu folgen. Am Abschlag die Welt zu vergessen und mich wunderbar entspannen zu können. Es gibt einige Gründe für die lange Spielpause. Und keiner davon ist wirklich triftig genug, ernsthaft als Entschuldigung dienen zu können, wie sich bei genauer Überlegung zeigt.

Da wäre zunächst die Entfernung zu meinem Lieblings- und Trainingsgolfplatz. Ich muss dafür ins Auto und auf die Autobahn, rund eine Dreiviertelstunde Anfahrt muss ich schon kalkulieren, zumal die Strecke derzeit sehr baustellenlastig ist und damit auch stauanfällig. Es kann also, je nach Tageszeit, auch länger dauern. Das mag ein Argument sein, wenn man sehr viel um die Ohren und einen zeitraubenden Job hat. Bei mir allerdings, ich habe hier einen gewissen Luxus, bliebe genügend Zeit für Hin- und Rückfahrt und eine gemütliche Neun-Loch-Runde samt Einkehr im Clubhaus. Nicht an jedem Tag in der Woche, aber durchaus öfter und nicht zwingend am „Heute ist der Platz voll“-Wochenende. Dazu kommt, dass ich eigentlich nicht ungern Auto fahre. Damit ist das Argument um Zeit und Entfernung negiert.

Auf dem Platz schüchtern

Der zweite Punkt betrifft mein Wesen. Ich bin zwar im Freundeskreis sicher nicht ungesellig, auf dem Platz aber schüchtern, was das Spiel mit Fremden in einem Flight angeht. Hab ich also nicht so gerne. Zumal ich um mein Können weiß, dass es - auch wenn ich eine Saison mal regelmäßig gespielt und geübt habe – weder von großer Eleganz noch von überbordendem Talent geprägt ist. Ich habe zwar Spaß daran, mag mich aber nur ungern einem Gegenüber stellen, das ich eben erst kennengelernt habe und dessen Können meinem sicher deutlich überlegen ist.

Nun habe ich diese Situation schon des Öfteren erlebt und wurde dabei nie von oben herab behandelt. Stattdessen erhielt ich gute Tipps von anderen Golfern, die mein Spiel wirklich vorangebracht haben. So sollte auch dieses Argument nicht zählen. Zumal auf dem erwähnten Lieblingsgolfplatz eigentlich immer mal die Gelegenheit gegeben ist, nicht unbedingt zwangsläufig einem fremden Flight zugeordnet zu werden. Man kann meistenteils durchaus auch allein auf die Runde gehen. Also wieder keine Ausrede.

Ich ärgere mich

Je länger ich darüber nachdenke und je mehr Zeilen dieser Text hier bekommt, umso mehr ärgere ich mich. Darüber, dass der Schweinehund in diesem Jahr viel zu oft die Oberhand hatte. Sicher, ich habe in der Zeit, in der ich hätte zum Platz fahren können, nicht ganz unproduktiv auf dem Sofa gelegen. Schließlich gibt es, wer kennt das nicht, immer irgendwas zu tun. Und vieles davon ist durchaus der Mühe wert und muss getan werden. Doch vieles davon war nicht termingebunden. Ich hätte das Golfbag und den Trolley einpacken und mich ins Auto setzen können.

Bliebe noch ein Stichwort: „Schlechtes Wetter.“ Aber habe nicht in einer früheren Kolumne an dieser Stelle geschrieben, dass mir ein wenig Regen auf dem Platz nichts ausmacht, eher im Gegenteil, weil man dann wirklich seine Ruhe hat.

Argumentativ ausgeknockt

Damit bin ich argumentativ durch mich selbst ausgeknockt. Es gibt keinen Grund mehr, nicht bei nächster Gelegenheit (und die wäre in ein paar Tagen) mal wieder die Schläger zu schwingen und zu schauen, was vom hart erarbeiteten Können aus dem vergangenen Jahr noch geblieben ist.

Der Platz ist also für den kommenden freien Tag vorgemerkt. Und so nichts wirklich Wichtiges dazwischen kommt, kann ich nächste Woche an dieser Stelle berichten, wie’s war. Ich selbst bin jetzt am meisten gespannt, was sich der Schweinehund einfallen lässt. Oder hab‘ ich es jetzt geschafft, ihn an die Leine zu legen? Warten wir’s ab…


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