Lieber Goldfinger oder Bond?


Veröffentlicht am   01.02.2024 von Kai

Knickerbocker, Hemd mit Krawatte, Strickjacke, SchiebermĂŒtze und rot-braune Schuhe – was hat diese Beschreibung eines eher anachronistisch gekleideten Herren auf einer Seite zu suchen, die sich mit Golf beschĂ€ftigt? Berechtigte Frage.

Doch Fans des britischen Geheimagenten 007 aka James Bond wissen direkt, wer gemeint ist: Auric Goldfinger, der legendÀre Schurke aus dem dritten Film der Actionreihe, im Jahre 1964 kongenial dargestellt von Gerd Fröbe, hat sich damals derart gestylt zum Match gegen den Helden auf den Golfplatz begeben.

Es war ĂŒbrigens nicht irgendein Platz. Die beiden Protagonisten spielten auf dem berĂŒhmten Platz in Stoke Park, Stoke Poges (Buckinghamshire), rund 40 Kilometer westlich von Londons City. Heute heißt das großzĂŒgige Luxusanwesen „Stoke Park Country Club Spa and Hotel“ ist noch immer Treffpunkt fĂŒr Golf- wie auch Filmenthusiasten – mit entsprechend gefĂŒllter Brieftasche, sei angefĂŒgt.

Gute Kinderstube

Doch nun nochmal die Frage: Was soll das hier? DafĂŒr muss ich ein wenig ausholen. Wie so vieles im Leben, so ist auch Golf gewissen Regeln unterworfen. Und damit meine ich jetzt nicht das Spiel an sich mit seinen 24 mehr oder weniger klaren Anweisungen zu jeder erdenklichen Spielsituation.

Es geht vielmehr um das Drumherum, was nicht nur den Spieler selbst, sondern auch die Mitspieler und andere Menschen auf dem Kurs betrifft. Es geht um das Verhalten, das Benehmen, die „gute Kinderstube“, die Voraussetzung fĂŒr eine gelungene Runde ist. Dinge also, die selbstverstĂ€ndlich sein sollten.

Die wichtigste dieser Vorgaben bezieht sich auf Leib und Leben der in Reichweite des Spielers befindlichen Menschen. Was im nun ersten Moment ĂŒbertrieben klingt, das entpuppt sich bei genauerer Überlegung als sicherlich nicht falsch, denn Golf kann gefĂ€hrlich sein.

Mit Bauarbeiterhelm

Ich habe einen Freund, der nur noch mit einem Bauarbeiterhelm bewehrt auf einen Golfplatz gehen wĂŒrde, denn seine bisherigen Erfahrungen besagen, dass er fliegende BĂ€lle anzieht wie ein Magnet. Das ist vielleicht etwas hochgegriffen und blumig formuliert, aber wer schon einmal von einem Ball getroffen wurde, der weiß, dass es dabei nicht nur zu schmerzhaften blauen Flecken kommen kann.

Und daher lautet die wichtigste Regel auf dem Platz: Fliegt ein schlecht getroffener Ball in eine Richtung, in der sich andere Menschen befinden (könnten, denn bei BĂŒschen und BĂ€umen auf den PlĂ€tzen ist das nicht immer zu erkennen), so ruft man aus LeibeskrĂ€ften das Wort „Fore“. Es spricht sich wie „Vor“, also die erste Silbe des Wortes „Vorsicht“ und ist deshalb leicht zu merken.

Wer sich diesen Ruf spart, der spielt schlimmstenfalls wirklich mit der Gesundheit anderer Golfer. Deshalb sollte auf diese laute Warnung niemals verzichtet werden.

In Deckung

Damit im Zusammenhang steht das in meinen Augen Zweitwichtigste auf dem Platz: Wer den „Fore“-Ruf hört, sollte sofort in Deckung gehen, entweder hinter seinem eigenen Bag oder einfach in die Hocke, den Kopf dabei mit den Armen geschĂŒtzt. Besser, der Ball, der mit mehr als 100 Stundenkilometern Geschwindigkeit angeflogen kommen kann, trifft den Arm als den Kopf.

Warum ich hier so ausdrĂŒcklich darauf hinweise? Nun, es ist menschlich, auf Signale derart zu reagieren, dass man schauen möchte, woher sie kommen. Viele Golfer drehen also beim Hören des Fore den Kopf in Richtung des Rufers. Wenn dann erkannt wird, dass der Ball direkt Kurs auf den Schauenden genommen hat, ist es fĂŒr eine Reaktion in den meisten FĂ€llen schon zu spĂ€t. Und das sollte man keinesfalls riskieren. Also runter mit dem Kopf, wenn Gefahr droht – eigentlich logisch, oder?

Was das gute Miteinander angeht, so gibt es noch weitere Dinge, die vor und auf der Runde beachtet werden sollten. Generelle Freundlichkeit gehört dazu wie zum Beispiel der gegenseitige Wunsch „Schönes Spiel“ unter den Golfern nach dem ersten Schlag aller Flightpartner.

Oder die Tatsache, dass man schnellere Flights natĂŒrlich durchspielen lĂ€sst, um sie nicht ĂŒber GebĂŒhr auszubremsen. Eine Regel, die viele Clubs auch in ihren Statuten festgeschrieben haben, weil sie nicht in den offiziellen Regeln vermerkt sind. Gilt ĂŒbrigens auf vielen PlĂ€tzen nicht bei nachfolgenden Einzelspielern. Aber ich denke, dass man sich nichts vergibt, wenn man auch den Alleinspieler mal eben vorlĂ€sst.

Spieltempo beachten

Das Spieltempo an sich hat auch etwas mit Höflichkeit anderen gegenĂŒber zu tun. Man spielt zĂŒgig, stellt sein Bag oder seinen Trolley am GrĂŒn immer schon in Richtung des nĂ€chsten Abschlags ab und trĂ€gt auch das Spielergebnis des jeweiligen Lochs nicht schon auf dem GrĂŒn ein, wenn der nĂ€chste Flight bereits wartet.

Wer das alles fĂŒr selbstverstĂ€ndlich hĂ€lt, der hat noch nie eine Golfrunde absolviert. Denn wie ĂŒberall im Leben, so gibt es auch unter den Golfern Ignoranten, die sich selbst fĂŒr den Mittelpunkt allen Geschehens halten, wie auch solche, die sich einfach keinen Kopf darum machen, dass auch andere gerne eben diese Bahn spielen wollen. Manche sind daher unbelehrbar, denen geht man am besten aus dem Weg. Andere, und dabei nicht nur Golfneulinge, sind dankbar fĂŒr einen kleinen freundlichen (!) Hinweis.

Goldfingers schÀndliches Verhalten

Und was hat das nun alles mit Goldfinger zu tun? Naja, auch er verhĂ€lt sich nicht immer korrekt. So fragt er zu Beginn der Partie beispielsweise laut, ob streng nach den Golfregeln gespielt werden wĂŒrde. Generell sollte das schon keine Frage sein, aber Goldfinger stellt sie just in dem Moment, als Bond gerade zu seinem ersten Abschlag ausholt. Ein No-Go. Wenn sich ein Spieler konzentriert, dann gebietet es den Mitspielern die Höflichkeit, in dieser Phase Ruhe zu halten.

Bei Goldfinger war das natĂŒrlich böses KalkĂŒl, geht es bei der Partie gegen Bond doch schließlich um 5000 britische Pfund, bzw. einen Goldbarren, den Bond als Köder eingesetzt hatte. Das macht das Verhalten nur umso schĂ€ndlicher.

Verpöntes Beinkleid

Kommen wir nun aber zum Outfit. Und wĂ€hrend alles bislang beschrieben wirklich jedem einleuchten sollte, so scheiden sich bei der Kleidung die Geister. Warum sich nicht so kleiden, wie man selbst es fĂŒr bequem erachtet? Schließlich ist die Bequemlichkeit wichtig, man sollte sich bei der komplexen Schwungbewegung schließlich nicht durch die falsche Jacke oder Hose eingeengt fĂŒhlen.

Der grĂ¶ĂŸte Streitpunkt ist immer das Beinkleid. Im Alltag sind die meisten Menschen tatsĂ€chlich in Jeans unterwegs, doch die ist auf den allermeisten PlĂ€tzen (vor allem in Deutschland) verpönt, oft sogar verboten. Das hat etwas mit der Historie zu tun und ich finde es daher mĂŒĂŸig, darĂŒber zu argumentieren. Letztlich kommt ja auch niemand auf die Idee, im Blaumann auf dem Platz zu erscheinen. Golf hat auch etwas mit Eleganz zu tun und die zeigt sich eben im Verhalten wie auch der Kleidung.

Bond als Vorbild

Man muss dazu nicht zur Knickerbocker greifen, auch eine Krawatte ist heute sicher ĂŒbertrieben. Bond macht es an Goldfingers Seite vor, wie man elegant und sportlich zugleich gekleidet sein kann, ohne sich heute im Golfclub lĂ€cherlich zu machen: Stoffhose, Poloshirt und Pulli sind fĂŒr die Runde eine der möglichen richtigen Entscheidungen. Ein Porkpie rundet das Bild ab und sorgt zugleich fĂŒr einen kĂŒhlen Kopf bei schönstem Sonnenwetter.


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Etikette und Fair Play