Aller Anfang 13: Golfen ist wie Autofahren


Veröffentlicht am   16.05.2022 von Kai

Die Platzreife ist geschafft, die Mitgliedschaft abgeschlossen, der DGV-Ausweis ist angekommen. Jetzt steht der Golfkarriere nichts mehr im Wege. Mit allem frisch erlernten Wissen und Können (ein großes Wort fĂŒr meine StĂŒmperei auf dem Platz) wollte ich die Clubvorgabe von 54 schnell verbessern, die erst ab 36 offiziell „Handicap“ genannt wird. Leichter gesagt als getan.

Ich habe bald gemerkt: Beim Golfen ist es wie beim Autofahren. Man hat zwar die Erlaubnis in der Tasche, aber von Können kann noch nicht wirklich die Rede sein. Zumal ich feststellen musste, dass mir die SchlÀge vor dem Platzreifekurs viel besser gelungen sind als jetzt, mit dem Zertifikat in der Tasche.

Was hat mir Nick der Pro da nur beigebracht? Konnte das richtig sein? Nichts funktionierte mehr. Ich musste ganz von vorne beginnen. Es war ein zĂ€her Anfang. Zum GlĂŒck hatte ein Kollege, der den Kurs mit mir absolviert hatte, ebenso Feuer fĂŒr diesen Sport gefangen wie ich selbst.

Gemeinschaft auf dem Platz

Wir waren uns also schnell einig, dass wir kĂŒnftig bei jeder passenden Gelegenheit gemeinsam auf den Platz gehen wollten. Das macht es einfacher, zumindest im Kopf. Man steht nicht allein auf weiter Flur, bzw. auf der Driving Range, wo man schnell das GefĂŒhl hat, dass man von den anderen belĂ€chelt wird.

Und auch das durfte ich bald lernen: Sicher gibt es auch beim Golf Mitmenschen, die wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr AnfĂ€nger haben, die wirklich HĂ€me zeigen fĂŒr die missratenen Versuche, den Ball einigermaßen weit und ebenso gerade zu schlagen.

Doch die meisten sind anders. Ähnlich wie bei Motorradfahrern, die sich bei Begegnungen auf der Straße grĂŒĂŸen, so zeigen Golfer ein GemeinschaftsgefĂŒhl. Das fĂ€ngt beim freundlichen Gruß auf dem ClubgelĂ€nde an und hört bei der Anrede mit Vornamen noch lange nicht auf. Ungewohnt, aber nicht unangenehm.

Ich bin eigentlich ein eher schĂŒchterner Typ und gehe dem Spiel mit fremden Golfern eher aus dem Weg. Wenn es sich aber dennoch irgendwie ergibt, dass ich mit mir bis dato Unbekannten gemeinsam auf die Runde gehe, dann bin ich – auch heute noch – immer positiv ĂŒberrascht ĂŒber Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Aufmunternde Worte

Oft fallen aufmunternde Worte, wenn mir schon wieder ein Schlag misslingt. Wer den Sport souverÀn und mit Freude betreibt (wovon man ja ausgehen sollte), der erinnert sich in solchen Situation an seine eigenen ersten Gehversuche von Loch zu Loch. Und jeder muss sich eingestehen, dass auch er nicht als Meister vom Himmel gefallen ist.

Und so ĂŒben sich Flightpartner in Geduld, wenn der AnfĂ€nger den Spielbetrieb ein wenig bremst und es nicht so schnell vorangeht, wie es eigentlich geplant war. Es dauert halt, wenn man die Bahn nicht mit geraden und langen SchlĂ€gen spielt, sondern den Ball stattdessen von links nach rechts und wieder nach links befördert, weil man es eben noch nicht drauf hat.

Deshalb gibt es von anderen so manchen Tipp fĂŒr mich, den Rookie. Und zwar auch heute noch, gut zehn Jahre nach der Platzreife, denn ich habe in dieser Dekade gut fĂŒnf Jahre aus unterschiedlichen GrĂŒnden pausieren mĂŒssen. Erst in der vorletzten Saison waren wieder Zeit und Muße vorhanden, mit dem Besteck auf den Platz zu gehen.

Und mittlerweile genieße ich es, dazuzugehören. Und dieses gute GefĂŒhl hat nichts mit Elitegedanken zu tun. Es ist vielmehr das Wissen, unter Gleichen zu sein. Hierarchien, im Alltagsleben oft so unumgĂ€nglich wie auch manchmal unangenehm, sind auf dem Fairway nicht vorhanden.

Ob da nun ein „Herr Doktor“ oder eine „Frau MĂŒllentsorgerin“ (ich kenne Beispiele aus beiden Bereichen) auf die Runde geht, das interessiert nicht. Das gemeinsame Ziel, den Ball mit möglichst wenig SchlĂ€ger in das verd
 Loch zu befördern, eint die Golfer, egal, ob sie mit der Luxuskarosse oder dem Kleinwagen angereist sind.

Seit meinem Neubeginn vor zwei Jahren bemĂŒhe ich mich, zumindest zweimal im Monat auf der Driving Range zu stehen und hernach auch eine Runde zu gehen. Im Schnitt klappt das, doch um deutliche Verbesserungen in meinem Spiel feststellen zu können, reicht das dann doch nicht.

Die Ungeduld hat Schuld

Es liegt auch an meiner Ungeduld. Ich gebe es zu: Ich wĂ€rme mich auf der Range kaum auf, schlage schnell die ersten BĂ€lle, allerdings zu Anfang mit gebremster Kraft. Generell verbringe ich zu wenig Zeit auf dem ÜbungsgelĂ€nde und zu viel Zeit auf dem Platz selbst. Das steht im Gegensatz zu meiner anfĂ€nglichen Idee, die Clubvorgabe möglichst schnell herunterzuspielen.

Ich stehe zwar nicht mehr mit der 54 am SchlĂ€ger, der Vorgabe, die jeder mit der Platzreife erhĂ€lt. Ich habe drei Punkte weniger. Auf dem Ausweis steht also eine 51, die ich durch eine EDS-Runde erreichen konnte. Bei EDS-Runden geht man mit einem zweiten Spieler herum, der zĂ€hlt, aufschreibt und mit Unterschrift das Ergebnis beglaubigt, das dann beim Club eingereicht und ĂŒberprĂŒft wird.

Nicht mehr so verbissen

Doch auch wenn ich nach wie vor gerne die 36 erreichen wĂŒrde, weil man auf immer mehr PlĂ€tzen erst damit als Gastspieler zugelassen wird, so sehe ich das nicht mehr so verbissen und ernst wie noch vor Jahren.

FĂŒr mich ist es wichtig, dass ich auf der Runde Spaß und Freude habe, dass ich den Alltag vergessen und mit meinem Golfpartner fachsimpeln, aber auch scherzen kann. Das ist fĂŒr mich mehr wert, als die Vorgaben-Zahl auf dem Clubausweis.

Dennoch möchte ich besser werden. Und dabei hilft vor allem eins: Man sollte sich von einem Pro schulen lassen. Also sollten mal ein paar Stunden gebucht werden, damit Schwungfehler erkannt und ausgemerzt werden können. Damit die Grundlage erneuert wird, auf deren Basis sich dann das eigene Spiel entwickeln und verbessern kann.

Und dann bleibt nur noch: Üben, ĂŒben, ĂŒben.


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Dieser Artikel wurde veröffentlicht in
10 Jahre als Rookie